Frýdek-Místek (Mähren, direkt an der polnischen Grenze), am 25-10-1944


Liebe Resi!

Habe heute mit grosser Freude Deinen lieben Brief vom 22/10 erhalten und will ihn gleich beantworten, denn jetzt komme ich ja wieder eine Zeit lang nicht mehr zum Schreiben.

Ja Resi, es geht wieder den Partisanen entgegen und wir fahren in 2 Stunden ab. Das wird ja nicht das erste Mal. Ich war ja schon 5 Tage im Einsatz und weiss wie es dort zu geht. Habe auch schon einen Gegenangriff und eine Waldsäuberung hinter mir, und so eine Waldsäuberung ist wohl das gefährlichste, denn auf jeden Baum und in jeder Hecke kann der Tod auf einen warten und ich habe es selbst gesehen wie Kameraden umfielen und nicht wieder aufstanden, aber das ist eben der Krieg und jetzt geht es auch wieder auf einige Tage in den Kampfraum.

Es soll aber auch nur bis 2.11. dauern, und dann sind wir wieder in Friedeck und freuen uns dass wir heil davon gekommen sind.

Liebe Resi, das Arbeiten müsst Ihr schon in Kauf nehmen. Wir haben jeden 3. Tag von 6h früh bis 2 Uhr Früh Dienst. Da wird man dann ordentlich müde. Wir sind eben frontnahe und dazu gehört die Nachtausbildung, die bei uns als Funker nicht leicht ist, aber sonst geht es mir gut. Was hoffentlich auch bei Dir der Fall sein wird.

Dass Knoll Franzl schon so krank war dass er Erholungsurlaub bekam, habe ich ja gerade nicht erwartet. Na aber man muss schon mit allem rechnen, und ganz gesund kommen wir ja keiner mehr nach Hause. Dass Bertl und Walter ein mächtiges Schwein haben ist wohl klar, denn während wir mit zitternden Knien dem Feinde entgegen starren, gehen die zu Hause sind noch Spazieren und Most trinken, aber auch für sie kommt noch die Stunde wo sie so schnell wie ein Maulwurf in der Erde verschwinden, wenn es heisst "Panzer von vorn!" Denn das sollst Du sehen, in einer Zeit von 20 Minuten hat jeder ein Loch wo er darin stehen kann und ist verschwunden. Auch ich habe mich schon zwei Mal eingegraben.

Ihr seid ja auch in der Heimat nicht mehr sicher, und dass Ihr bei dem letzten Angriff bloss mit dem Schrecken davon gekommen seid, ist wohl gut so, und wünsche Dir auch in Zukunft sehr viel Glück. Ich danke Dir auch für die Adresse vom Franzl. Und in einer Stunde geht es wieder dahin.

Nun schliesse ich mit den besten Grüssen.

Auf Wiedersehen
Bertl

Panzer Grenadier Schöller Engelbert